Aktivierungskonferenz des Netzwerks Jugendpolitik - Bielefeld, 07. Mai 2019

von Ann-Kathrin Hegger, Junge Presse NRW

Am Dienstag, den 07. Mai tauschten sich Jugendvertreter und Interessierte auf der Aktivierungskonferenz des Netzwerks Jugendpolitik über zukunftsfähige Verankerung der Jugendpolitik aus.

Politik ist für junge Menschen allgegenwärtig. Die Fridays-for-Future oder Artikel-13-Demonstrationen sind die zwei aktuellsten Beispiele dafür, wie junge Menschen ihre politischen Interessen öffentlich vertreten. Darüber hinaus fließt Jugendpolitik grundsätzlich in alle wichtigen politischen Themengebiete mit ein: Sicherheits-, Schul-, Finanz-, Gesundheits- und Umweltpolitik, denn jede Politik ist Jugendpolitik.

Nach einem lockeren Einstieg ging es direkt los. Beim Open Space brachten die Teilnehmer eigene Themen ins Plenum und gestalteten offene Arbeitsgruppen, um sich über unterschiedliche Themen austauschen zu können. Gemeinsam diskutierten die Interessierten über die Finanzierung der Jugendpolitik, Motivation und Herausforderungen für junge Menschen, Schaffung von (Schutz)räumen und dem Transfer der Jugendpolitik in die Verwaltungsspitzen.

Motivation von Jugendlichen – Woran es scheitert

Hauptamtliche der (politischen) Kinder- und Jugendarbeit berichten, Jugendliche wären häufig kraftlos und hätten keine Lust aufwendige und große Projekte mit politischer Wirkung langfristig zu begleiten. Grund dafür könnten verschiedene Gegebenheiten sein: Politische Prozesse sind langwierig. Das Geschehen junger Menschen ist schnelllebiger. Wer viel Zeit aufwendet und kein direktes Ergebnis von seiner Arbeit erkennt, verliert schnell die Kraft und hat das Gefühl alleine mit seinen Bemühungen zu stehen.

Auch „Erwachsenen-Settings“ erschweren die Integration junger Ideen. Wenn die Entscheidungsträger von Verbänden und Vereinen hauptsächlich von Älteren gestemmt werden, müssen Interessierte sich erst in erwachsene Strukturen einarbeiten. Das ist mühsam und kostet viel Zeit. Häufig sind die Jugendlichen dann schon junge Erwachsene. Komplizierte Fachausdrücke und Abkürzungen erschweren den Einstieg.

Bis es von einer Idee zur Umsetzung kommt, vergehen gern auch einige Jahre. Das Interesse der jungen Generation liegt allerdings im „Hier und Jetzt“. Die Verwaltung hingegen sei ein langsamer Apparat, der mit diesen Vorstellungen nicht zurechtkomme.

Von vielen Trägern wird das Engagement junger Menschen geschätzt. Trotzdem hindert die Scheu vor jugendlichem Leichtsinn viele Organisatoren daran, junge Projekte zu realisieren.

Zwischen Erfolg und Niederlage

Um junge Menschen für Jugendpolitik zu begeistern, müssen die Verwaltung, Politiker und Leiter an vielen unterschiedlichen Stellen anpacken.

Jugendeinrichtungen müssen sich flexibel an den Rhythmus junger Menschen anpassen. Die Schule nimmt mehr Zeit ein und Jugendgruppen müssen später starten, damit alle Jugendlichen das Angebot wahrnehmen können. Das bedeutet im Gegenzug für die Betreuer, dass sie ihre Arbeitszeiten flexibel anpassen müssten. Soziale Netzwerke können zum Austausch und zur Absprache genutzt werden.

In gemeinschaftlicher Atmosphäre fällt es leichter, innovative Ideen zu entwickeln. Die Wahrnehmung von Kindern und Jugendlichen als gleichwertiger Teil der politischen Gestaltung ist essenziell für eine gelungene politische Beteiligung. Das kann nur dann gelingen, wenn Leitungen ihre Verantwortung übertragen und Prozesse gemeinschaftlich durchlaufen werden. Nicht nur die jungen Menschen müssen sich anpassen, sondern auch die Wertschätzung ihnen gegenüber. Viele Jugendliche äußern sich politisch, werden allerdings nicht wahrgenommen.

Es empfiehlt sich mit kleinen Ideen zu starten. Mit greifbaren und sichtbaren politischen Projekten können schnell Erfolgserlebnisse geschaffen werden. Ein Bubble Fußball Turnier beispielsweise verbindet Jugendliche aus allen Schichten, schafft Erinnerungen und ist emotional mitreißend. Für die Organisation und Durchführung können junge Menschen Verantwortung tragen und lernen, sich demokratisch einzubringen und ihre Interessen zu vertreten. Engagement muss eben auch Spaß machen und darf nicht nur als Arbeit gesehen werden.

Die Autorin

Ann-Kathrin (19) engagiert sich ehrenamtlich im Vorstand der Jungen Presse und ermuntert junge Menschen zu politischem und gesellschaftlichem Engagement. In ihrer Freizeit spielt sie leidenschaftlich Volleyball und ist mit ihren Freunden in ganz Deutschland unterwegs. Ihr Wunsch ist es, nach dem Studium als Journalistin im Team einer Nachrichtenredaktion mitzuarbeiten und jeden Tag die Welt neu zu entdecken und für Interessierte zu berichten.